In der Presse

Wo sich schon 1905 Wilhelm zwo die Kanalforelle munden ließ

Gasthof zur Schleuse in Kleinmachnow hat zwar preußische Tradition, liegt aber an einer Sackgasse. Hoffnung auf neue Brücke mit dem Schleusenausbau 2004

von Lothar Rölleke

Kleinmachnow - Man gibt sich traditionsbewusst - im Gasthaus „Zur Schleuse“ in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) gleich hinter der Berliner Stadtgrenze: Vergilbte Fotos und Dokumente zieren den Gastraum, erinnern an den Bau des Fachwerkhauses 1905 und die Eröffnung am 2. Juni 1906, als direkt vor dem Fenster auch die Machnower Schleuse in Betrieb ging. Prominentester Gast war damals Kaiser Wilhelm II., der sich nach dem Festakt eine frische Kanalforelle munden ließ.
Danach wurde das Lokal ein beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer, Wassersportler und Wanderer - vor allem aus dem benachbarten Berlin. Nach dem Mauerbau 1961 wurden es deutllich weniger, seit 1989 boomte das Lokal wieder, bis 1992 die Schleusenbrücke als belebte Verkehrsader zwischen Kleinmachnow und Stahndorf wegen Baufälligkeit gesperrt wurde. „Seitdem sind wir in einer Sackgasse und haben deutlich weniger Gäste“, klagt Wirt Uwe Lassotta, der in Kleinmachnow geboren wurde. Gemeinsam mit Bruder Gunther betreibt er das Gasthaus seit 1992 als Pächter und auch die „Waldschänke“ in Stahnsdorf.
Doch zum Glück sei ein Ende der Flaute in Sicht: Im Zuge des Ausbaus der nördlichen Schleusenkammer wird 2003/2004 die alte Brücke durch einen Neubau ersetzt, so dass der Verkehrs- und Gästestrom wieder fließen kann. „Ich denke, dass wir im kommenden Frühjahr beginnen können“, sagt Hans-Jürgen Heymann, Leiter des zuständigen Wasserstraßen-Bauamtes. Insgesamts rechne er mit anderthalb Jahren Bauzeit. „Danach wird unser Gasthof sicherlich wieder so beliebt, wie früher“, meint Gunter Lassotta, übrigens Gastwirt in der dritten Generation. Erst vor wenigen Jahren habe die Besitzerin den Fachwerkbau aufwändig sanieren lassen; er selbst und sein Bruder hätten bisher rund 100 000 Euro investiert. So wurde unter anderem die Veranda winterfest gemacht, so dass sie nun ganzjährig genutzt werden kann. Besonders beliebt im Sommer seien die 80 Außenplätze mit Blick auf die Schleuse. „Irgendwann, wenn alles fertig ist, veranstalten wir dort vielleicht sogar kleine Konzerte“, meint der Gastwirt voller Hoffnung.

Öffnungszeiten: Di./Mi.: 17-23 Uhr, Do. - So: 12 - 23 Uhr, Mo. Ruhetag. Reservierungen unter Telefon: 033 203/24 770.

Artikel erschienen am 31. Dez 2002

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